Die Akte Harlekin

Eine Rezension

Kontinuierliche Spannung, Nervenkitzel, ein Wechselbad der Gefühle zwischen Erschaudern und Erleichterung. All diese Aspekte vermag ein guter Thriller aufzuweisen. Doch wird Thomas Vauchers frisch erschienenes Werk „Die Akte Harlekin“ diesen Ansprüchen gerecht?

Von Jennifer Fahrenholz

Worum geht’s?

Die Akte Harlekin ist ein im Verlag Riverfield publizierter Thriller. Auf 351 Seiten erzählt Thomas Vaucher die Geschichte eines skrupellosen Serienmörders, der in Bremen sein Unwesen treibt. Der Täter nimmt seinen Opfern nicht nur das Leben, sondern beraubt ihnen auch sämtlichen Körperflüssigkeiten. Neben dieser bizarren Vorgehensweise stellt eine weitere Tatsache die Polizei vor große Rätsel: Alle Angehörigen der Opfer begehen kurz nach den Verbrechen Selbstmord.

Im Zentrum dieser Handlung steht der ehemalige Kriminalkommissar Richard Winter. Nach einem schwerwiegenden Fehler bei einer Lösegeldübergabe der ihm seinen Arbeitsplatz kostete, lebt dieser vollkommen zurückgezogen und verwahrlost immer mehr. Neben seiner Hündin Sydney ist Alkohol das Einzige was ihm noch Freude bereitet und seine verbitterten Gedanken betäubt. Eines Tages steht seine ehemalige Partnerin und Lebensgefährtin Sabine vor seiner Tür. Sie bittet Winter um Mithilfe bei den Ermittlungen in der oben geschilderten Mordserie. Es sind vor allem die esoterischen Details bei denen sich Sabine Hilfe von Richard Winter erhofft, da die Familienmitglieder der Opfer vor ihrem Selbstmord von Geistererscheinungen der Verstorbenen berichteten.

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Bild: Riverfield Verlag

Winter, der mit Okkultismus zwar Erfahrungen, jedoch mit diesem Teil seiner Vergangenheit abgeschlossen hat, lehnt das Angebot vorerst ab. Dank seiner schlechten finanziellen Lage bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als seinen Stolz zu überwinden und sich den Ermittlungen anzuschließen. Unterstützt wird er hierbei von der Kriminalkommissarin Catherine Weiß, die ihm als Partnerin bei den Ermittlungen zugeteilt wird. Während Winter die junge Frau anfangs eher als Belastung empfindet und von ihrer ehrgeizigen Arbeitsweise genervt ist, wird diese schnell zu seiner wichtigsten Vertrauensperson. Als Winter auf der Suche nach dem Täter erste Erfolge und Erkenntnisse verzeichnet, fühlt sich dieser bedrängt.

Durch einen klugen Schachzug schafft er es, Winter selbst als Hauptverdächtigen in der Mordserie dastehen zu lassen. Während die Bremer Polizei an den Indizien, die klar gegen Winter sprechen, festhält, glaubt Catherine Weiß als Einzige an seine Unschuld und verhilft ihm zum Ausbruch aus der Untersuchungshaft. Auf der Flucht vor der Polizei versucht Winter den wahren Täter zu finden und die eigene Unschuld zu beweisen. Immer wieder stößt er dabei auf die Gestalt eines Harlekin, die stets auftaucht, wenn er in Schwierigkeiten geraten könnte. Richard Winter versucht akribisch das Gesicht des Harlekin zu erblicken, doch so schnell wie dieser auftaucht verschwindet er auch stets wieder. Was folgt sind weitere mystische Geschehnisse sowie ein unerbittlicher Kampf gegen die Zeit, da die Polizei Winter stets auf den Fersen ist und der wahre Täter unterdessen weiter mordet.

Kritik

Thomas Vaucher ist es in seinem Thriller definitiv gelungen, die Spannung kontinuierlich und auf jeder Seite aufrecht zu halten. Schon im Prolog werden die Leser mit dem ersten Mord des Serientäters konfrontiert. Dies weckt nicht nur die Neugier auf die weitere Handlung sondern macht bereits die ersten Seiten zu einem grandiosen Leseerlebnis. Auch in der weiterführenden Handlung kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile oder Langatmigkeit auf. Neben den Ermittlungen steht vor allem Richard Winters Vergangenheit im Fokus, welche er in seinen nächtlichen Träumen verarbeitet. Es werden somit von Zeit zu Zeit mehr Erkenntnisse über Winters Vorleben gewonnen. Besonders lobenswert ist hierbei, dass es Thomas Vaucher gelungen ist, diese Inhalte fast beiläufig zu vermitteln, sodass das Vorgehen des Serienmörders und die Ermittlungen im Fokus der Handlung bleiben.

Ein weiterer Aspekt der ebenfalls zum Erhalt des Spannungsbogens beiträgt, ist der gelegentliche Perspektivenwechsel. Dieser sorgt keineswegs wie bei einigen anderen Romanen für Verwirrung, sondern gewährt den Lesern kurze Einblicke in die Sichtweisen der anderen Charaktere. Besonders die Perspektive des Täters lässt den Leser oftmals erschaudern. Entscheidend ist hierbei, dass Vaucher nicht jedes Kapitel aus einer anderen Perspektive erzählt, sondern diese Sprünge nur gelegentlich einbaut. Eine Beeinträchtigung des Leseerlebnisses durch das ständige Einlassen auf neue Sichtweisen wird somit ausgeschlossen.

Ebenfalls ein inhaltlicher Schwerpunkt der Akte Harlekin ist der Okkultismus. Nicht nur die Angehörigen der Mordopfer berichten von Geistererscheinungen sondern auch Richard Winter selbst wird im Laufe der Handlung mit mystischen Geschehnissen konfrontiert. Anfangs erscheint dieses Thema etwas störend und fehlplatziert. Es wird jedoch schnell klar, dass die okkultistische Komponente wichtig ist, um einen umfassenden Einblick in Richard Winters Vergangenheit zu erhalten. Sie rundet die Handlung folglich ab und ist nicht wegzudenken. Verdeutlicht wird dies bereits durch das Cover des Buches, welches ein blutverschmiertes Pendel ziert. Illustriert werden damit die zwei wichtigsten Themen des Thrillers: Das skrupellose und blutige Vorgehen des Serienmörders, sowie Winters mystische Vergangenheit.

Neben den Hauptprotagonisten Richard Winter hat Thomas Vaucher die Anzahl der weiteren Charaktere übersichtlich gehalten hat. Die Leser lernen jede Person soweit kennen, dass sie sich zumindest ein oberflächliches Bild von ihr machen können. Es können selbst Vermutungen und Verdächtigungen angestellt werden, ob einer der Charaktere der gesuchte Täter ist. Auch dieser Aspekt trägt zum Spannungserhalt bei und ist deshalb besonders positiv zu bewerten.

Die Sprache ist im gesamten Werk durchweg einfach gehalten. Die wichtigen Fakten und Indizien sind dadurch deutlich erkennbar. Trotz dessen gelingt es Thomas Vaucher eine besondere Leseatmosphäre zu schaffen. Besonders durch die eingebauten Monologe des Mörders taucht der Leser voll und ganz in die Handlung ein. Ferner verursachen diese gelegentlichen Monologe zusätzlichen Nervenkitzel beim Leser.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Thomas Vaucher mit „Die Akte Harlekin“ einen großartigen, spannenden Thriller geschaffen hat. Die Spannung ist von Anfang an gegeben und lässt bis zum Ende nicht nach. Die mystische Komponente wirkt anfangs etwas befremdlich, trägt jedoch im Laufe der Handlung zum Verständnis bei. Empfehlenswert ist der Thriller demnach für jeden, der sich für Kriminalfälle interessiert, Nerven aus Drahtseilen hat und vor allem über genug Freizeit verfügt, denn eins ist klar: Dieses Buch legt man nicht so schnell wieder aus der Hand.

Titelbild: Pia Zarsteck

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