Reisetipp: Oslo – Wo Moderne auf Natur trifft

Teil 2

Oslo lockt nicht nur mit seiner Natur und Architektur, sondern auch mit regelmäßigen Veranstaltungen, die die Hauptstadt Norwegens in den Fokus der breiten Masse rücken. Ob Friedensnobelpreisverleihungen, Skispringen am Holmenkollen oder gelegentlich der Eurovision Song Contest: In und um Oslo wird es selten still.

von Florian Fabozzi

Teil 1 noch nicht gelesen? Hier entlang! 

Kultur, wohin das Auge reicht

Gerade für den kultivierten, wissbegierigen Urlauber eignet sich ein Trip nach Oslo, denn die Stadt bietet ein buntes Repertoire an Museen. An der Pipervika, ganz in der Nähe des Rathauses, befindet sich das Nobel Peace Center, ein Museum über die Geschichte des Friedensnobelpreises und seine Gewinner, so wie aktuelle Krisenherde auf der Erde. So ist eines der Leitthemen aktuell der Syrienkrieg, zu dessen Anlass  Flüchtlingskinder zu ihrem Alltag und zu ihrer Gedankenwelt befragt wurden.

Dem letzten Nobelpreissieger Juan Manuel Santos zu Ehren, gibt es derzeit auch eine große Ausstellung über den 60 Jahre anhaltenden Bürgerkrieg in Kolumbien, der unter anderem vom ausufernden Drogenhandel bestimmt ist. Juan Manuel Santos ist der neue Präsident des Landes, der auf einem guten Weg ist, die Kriegsparteien zu versöhnen und jetzt bereits Millionen von Kolumbianern das unbekannte Gefühl von Hoffnung beschert hat.

Neben den zwei Hauptausstellungen gewähren kleine Bildschirme Einsicht in die Lebenswerke aller Friedensnobelpreisträger, inklusive bekannter Zitate. Im Museum erfährt man auch mögliche Gründe dafür, warum Gründer Alfred Nobel die Friedenspreisverleihung nach Oslo verlegte, obwohl doch alle anderen Nobelpreise bis heute in Stockholm, der Heimat Nobels, vergeben werden.

Oslo ist auch die Heimat des expressionistischen Malers Edvard Munch, dem ein eigenes Museum gewidmet ist. Selbstverständlich ist dort auch der weltberühmte Schrei ausgestellt. Aufgrund eines Diebstahls 2004 und vieler weiterer Diebstahlversuche gelten für den Schutz des Gemäldes besonders strenge Sicherheitsstandards. Das derzeitige Gebäude des Munchmuseums ist unscheinbar und marode und wird dem Stellenwert seiner Ausstellung nicht gerecht. Ein Neubau des Museums direkt neben der Oper (Titelbild) ist daher bereits im vollen Gange.

Das Osebergschiff im Vikingskipshuset (Florian Fabozzi)

Die meisten Museen Oslos befinden sich derweil auf der malerisch grünen Halbinsel Bygdøy. Prominent und beliebt unter Touristen ist vor allen Dingen das Vikingskipshuset, das sich insbesondere drei Schiffen widmet, die einst Teil von Bestattungen waren. Der Besucher erhält einen Einblick in das Leben der Wikinger, ihre Art Handel zu treiben und erfährt alles über Rituale und Bestattungen der furchtlosen Nordmänner. Es sind zahlreiche Gegenstände aus der Blütezeit der Wikinger ausgestellt, von Schlitten, über Pferdesättel bis hin zu Töpfen.  Im Souvenirshop im Eingangsbereich gibt es vielerlei Objekte zum Thema Wikinger und nordischer Mythologie, beispielsweise eine Ausgabe des Hnefatafl, ein altes nordisches Strategie-Brettspiel, das dem uns geläufigen Schachspiel ähnelt.

Am Ende der Straße „Bygdøynesveien“ befinden sich gleich drei Museen direkt beieinander: Das Norsk Maritimt Museum, das sich auf die Seefahrtsgeschichte Norwegens spezialisiert. Direkt dahinter steht das Frammuseum. Das markante Gebäude in Form eines großen Zeltes ist unübersehbar. Einst zum besten Museum Oslos gekürt, präsentiert es die Geschichte der berühmten norwegischen Polarforscher Nansen, Sverdrup und Amundsen. Letzterer war vor 106 Jahren der erste Mensch, der antarktischen Boden betrat. Komplettiert wird das Museumstrio vom Kon-Tiki-Museum, das die norwegischen Expeditionen auf die Osterinsel im Jahr 1947 thematisiert. „Kon-Tiki“ ist der Name des Floßes, das zur Überfahrt diente.

Skisprunghochburg Oslo

Die höchste Erhebung Oslos ist der 371 Meter hohe Berg Holmenkollen. Dort befindet sich die riesige Skisprungschanze Holmenkolbakken, die gleichzeitig die älteste derartige Anlage weltweit ist. Jedes Jahr im März messen sich hier die besten Skispringer der Welt im Rahmen des Skisprung-Weltcups. In dem 50.000 Zuschauer fassenden Stadion konnten in der Vergangenheit schon Sprünge bis über die 140-Meter-Marke bestaunt werden. Die Anlage verfügt zudem über ein kleines Skimuseum und einen Skisimulator. Dabei handelt es sich um eine kleine, geschlossene und maschinell betriebene Gondel, die in alle Richtungen rotiert und in dessen Innenraum Filmaufzeichnungen von Skiabfahrten und –sprüngen aus der Fahrerperspektive an die Wände projiziert werden. Durch das Zusammenspiel von Bewegung und Bildprojektion soll der Simulationsteilnehmer nachempfinden, wie es sich anfühlt, mit knapp 130 km/h einen Berg oder eine Schanze hinunter zu brettern.

Der Holmenkolbakken im Profil. (Florian Fabozzi)

Eine weitere erwähnenswerte Sportstätte ist das Ulleval-Stadion, die moderne Heimstätte des ansässigen Fußball-Erstligisten Valerenga Oslo und zugleich das Nationalstadion Norwegens, in dem alle – zuletzt eher wenig erfolgreichen –  Spiele der Männer-Nationalmannschaft ausgetragen werden. Das Schmuckstück bietet Platz für 25.000 Zuschauer.

In Bærum, einer Gemeinde westlich von Oslo, steht die vollständig überdachte Multifunktionshalle Telenor Arena. Das 2008 erbaute Gebäude ähnelt einer riesengroßen Schüssel. Hier trug einst ein anderer norwegischer Fußballverein, Stabæk Football, seine Heimspiele aus. Berühmtheit erlangte die Arena jedoch vor allem als Veranstaltungsort des Eurovision Song Contests 2010, bei dem sich die damals noch unbekannte Lena Meyer-Landrut in die Herzen aller Europäer sang.

Nightlife im hohen Norden

Auch Feierbiester oder jene unter euch, die den Abend gerne gesellig bei einem Bier ausklingen lassen, können in Oslo auf ihre Kosten kommen (leider nicht nur im übertragenen Sinne). Der Stadtteil Grønland in der Innenstadt Oslos, entspricht ein wenig dem Viertel in Bremen: Ein multikultureller, bunter und lebendiger Stadtteil mit einer Vielzahl von Bars und Pubs. Weiter nördlich befindet sich Grünerløkka, ein ehemaliges Arbeiterviertel, das allerdings fast vollständig gentrifiziert ist. Inzwischen handelt es sich um ein alternatives Szeneviertel, in dem die Jazz- und Bluesclubs dominieren. Der beliebteste Jazzclub nennt sich Blå und verwöhnt seine Gäste oft mit Livemusik. Denn Blå ist ein Anlaufpunkt für unbekannte Musiker, die Live-Auftritte nutzen, um sich in der Osloer Musikszene einen Namen zu machen. Wer seinen Oslo-Urlaub in den August verlegt, der kommt möglicherweise rechtzeitig zum Oslo Jazz Festival, das alljährlich seine Pforten in der Øvre Slottsgate öffnet und eine ganze Woche andauert. Rockfans aus aller Welt zieht es dagegen zum Øyafestival, das fast zeitgleich im Tøyen Park am Munchmuseum stattfindet.

Die Topadresse für Fußballfans ist der Bohemen Sportspub. Hier gibt es täglich Livespiele zu sehen. Der englische Fußball wird hier besonders verehrt und bekommt dementsprechend die größte Aufmerksamkeit, doch auch Spiele mit deutscher Beteiligung flimmern hier gelegentlich über die Bildschirme. Die Wände der Bar sind geschmückt mit Trikots, Wimpeln, Flaggen und sonstigen Fanartikeln von Fußballvereinen aus aller Welt. Wer genau sucht, wird auch ein winziges Werder-Trikot entdecken.

Money, money, money

Die Lebenshaltungskosten in Norwegen sind sehr viel höher als hierzulande. Nach aktuellen Studien ist Norwegen gleich nach Bermuda, der Schweiz und Island das viertteuerste Land der Erde. Darauf muss man sich einstellen und die Budgetplanung danach ausrichten. Doch immerhin: Oslo macht den Touristen einige Zugeständnisse. Das Rathaus lässt sich genauso wie die Akershus-Festung kostenlos besichtigen. Auch die Vigeland-Anlage mit ihren zahlreichen Skulpturen ist frei zugänglich. In fast allen Museen gibt es Studenten-Rabatt und die Kosten für die Fähren zur Überfahrt zu den Badeinseln sind in den Ruter-Tickets (siehe Teil 1, Abschnitt „Wie man von A nach B kommt“) enthalten. Man kann in Oslo daher auch mit wenig Geld einiges erleben.

Unverwechselbar mit den zwei Türmen: Das Osloer Rathaus. Es lässt sich kostenfrei besichtigen (Florian Fabozzi)

Die Frage nach dem richtigen Maß beim Trinkgeld erübrigt sich, denn in Norwegen ist die Abgabe von Trinkgeld grundsätzlich unüblich – man würde nur verdutzte Blicke ernten. Beim Bezahlen sind die Norweger übrigens fast gänzlich zur Karte umgestiegen. Egal ob Kiosk- oder Restaurantbesuch: Fast alle zücken ihre EC- oder Kreditkarte und folgerichtig steht zumindest in Oslo in jedem Geschäft ein Kartenlesegerät bereit. Selbstverständlich lässt sich auch alles in deutscher Tradition in bar bezahlen, doch die ökonomische Sinnhaftigkeit ist zweifelhaft. Beim Umtausch von Euro in norwegische Kronen fallen zum Teil hohe Gebühren an – das gleiche gilt für die Geldabhebung am Automaten. Mit der Kartenzahlung ist man also am besten beraten.

Was man sonst noch so wissen muss

Orientierungslos und hilflos in Oslo? Soweit sollte es nicht kommen. Zwar gelten die Norwegerinnen und Norweger als introvertiert und unnahbar, doch über schlechten Service kann man sich nicht beschweren. Man kann zwanglos jede Norwegerin und Norweger auf Englisch ansprechen, es wird einem stets Freundlichkeit und Geduld entgegengebracht.

Unausweichlich nähert sich der Urlaub dem Ende und du überlegst hastig, wie du ein Stück Norwegen mit in die Heimat nehmen kannst? Wenn du dabei auf typisch norwegische Lebensmittel abzielst, landest du schnell bei Brunost (auf deutsch: Braunkäse), einem süßen, karamellisierten Käse, den die Norweger gerne auf ihr Frühstücksbrot legen – für die fruchtige Note kommt schließlich noch eine Schicht Erdbeermarmelade oben drauf.

In den Souvenirshops Oslos werden nationale und mythologische Kulturgüter angeboten. Natürlich wird nicht an Klischees gespart. Trollfiguren in unterschiedlichen Größenformaten und Wikingerhelme sind omnipräsent. Besonders schön: Tassen in Form von Trinkhörnern, wie die Wikinger sie einst hatten. Wer würde in der Mensa nicht gerne – sei es nur für den Effekt – sein Trinkhorn aus dem  Rucksack hervorholen, während sich das studentische Fußvolk mit biederen und ordinären Gläsern begnügen muss? Weniger schön jedoch: Eine Trinkhorntasse kostet an die 50 €. Da ist es letztlich günstiger sein eigenes Trinkhorn zu schnitzen – eben ganz wie die Wikinger.

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