Spot on World Cup – Die WM-Prognose

Teil IX - Die Favoriten

„One life, one dream, one moment, one team“ – Will Smith, Nicky Jam und Era Istrefi bringen die Kernaussage der WM mit ihrem Song „Live it up“ mal wieder auf den Punkt. Nach Wochen der Vorbereitung, des Trainings und der Auswahlarbeit der Trainer zählt es jetzt. Geschlossen als Einheit, mit der gesamten Nation im Rücken wollen alle Mannschaften das Maximum erreichen. Kurz gesagt also: Am 15.07.2018 den WM-Pokal im Luschniki Stadion in den Himmel strecken.

Nachdem wir in den letzten Wochen jede Gruppe analysiert haben ist es nun an der Zeit für die Gesamtabrechnung. Welches Team wird Weltmeister 2018?

von Chantal Ranke

Die Topfavoriten: Brasilien & Deutschland

Rund ein Drittel der Deutschen sind sich sicher, dass „Die Mannschaft“ den Erfolg von 2014 wiederholen kann. Das ist das Ergebnis einer Umfrage Anfang Juni des Meinungsforschungsinstitut YouGov. Auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive stehen die Chancen gut. Anhand unterschiedlicher Komponenten ermittelten die Deka-Volkswirte die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Sieges auf 7,3%. Einzig und allein die Brasilianer liegen bei dieser Einschätzung mit 7,7% einen Hauch vorn. Diese Tendenz lässt sich auch bei den Buchmachern wiederfinden. Die Tipico – Quote für einen Sieg der Selecao liegt bei 5, während die Deutsche aktuell bei 5,5 ist. Am anderen Ende der Tabelle liegen übrigens Panama und Saudi-Arabien mit einer Quote von 1000.

Dass diese beiden Teams hervor gehoben werden, ist leicht zu erklären. Die Halbfinalisten von 2014 haben sich in den letzten Jahren stark weiter entwickelt und können sich nicht über fehlenden Nachwuchs beklagen. Besonders die Brasilianer sollte man auf der Rechnung haben. Die Motivation und der Siegeswille sind hoch. Nach der historischen Niederlage bei der Heim-WM hat die Selecao noch eine Rechnung zu begleichen und das nicht nur mit Deutschland, sondern mit der ganzen Welt. Die Gruppengegner sollten ihnen dabei nicht im Weg stehen. Gegen die Schweiz, Serbien und Costa Rica sollten sie keine Schwierigkeiten haben und können sich auf verschiedene Spielstile vorbereiten.

Brasilien

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Der Topfavorit bei den Buchmachern! Der Kader der Selecao ist noch reifer und ausgeglichener als 2014 und Superstar Neymar ist noch besser geworden. Der Druck ist hoch, aber wohl nicht so unerträglich wie im eigenen Land, wo sie unter der Last zusammenbrachen.

Jugend vs Erfahrung vs Messi

Zum absoluten Favoritenkreis muss man ebenso Frankreich und Spanien zählen. Auch die Franzosen haben (besonders im Blick auf Portugal) als Vize-Europameister noch eine Rechnung zu begleichen. Im Vergleich zu den anderen Favoriten haben sie ein Alleinstellungsmerkmal. Der Kader ist mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren sehr jung. Doch trotz ihrer Jugend konnten Spieler wie Kylian Mbappé oder Samuel Umtiti bei ihren Klubs Paris Saint-Germain und FC Barcelona internationale Erfahrung sammeln. Die Spanier repräsentieren eher das Gegenteil. Angesichts von Namen wie Iniesta, Ramos oder Busquets ist der Erfahrungswert der Startelf wohl bei keiner anderen Nation so groß und klangvoll. Die Spieler haben auch den größten durchschnittlichen Marktwert von insgesamt 45 Millionen € (!), wie Spiegel Online ermittelte. Nach der verpatzen WM 2014 soll nun wieder alles auf Angriff gehen und die Spanier hoffen dabei, ihre Erfahrung voll ausspielen zu können. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die plötzliche Entlassung des Trainers Julen Lopetegui unmittelbar vor Turnierbeginn auf die Leistung der Mannschaft auswirkt.

Sollten alle vier Teams erwartungsgemäß Erster in ihren jeweiligen Gruppen werden und die Achtel- und Viertelfinalspiele erfolgreich absolvieren, lauten die Halbfinalbegegnungen Frankreich gegen Brasilien und Deutschland gegen Spanien.

Doch so schön Zahlen, Daten, Fakten auch klingen. All das Rechnen und Spekulieren kann zunichte gemacht werden, da immer Dinge geschehen, die nicht vorhersehbar waren.
Somit muss auch der Favoritenkreis zwangsläufig erweitert werden. Unmittelbar hinter den vier Top-Favoriten muss man auch mit Argentinien rechnen. Bei der voraussichtlich letzten Weltmeisterschaft Lionel Messis ist es das große Ziel, seiner unfassbaren Karriere die Krone aufzusetzen. Vor vier Jahren waren die Argentinier näher dran denn je. Zudem kommt, dass die Albiceleste bei den letzten drei Weltmeisterschaften immer gegen die DFB-Auswahl ausgeschieden ist und der Siegeswille mit jedem Mal noch ein bisschen mehr gestiegen ist. Allerdings ist der Kader mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und es bleibt abzuwarten, ob sie sich gegen die deutlich jüngeren Mannschaften durchsetzen können.

Frankreich

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Die Équipe Tricolore verfügt von allen Teams wohl über die meisten Toptalente. Als Kollektiv haben sie bisher noch unter ihren Möglichkeiten agiert. Dieses Jahr soll sich das ändern.

Die Reihe der Geheimfavoriten

Seit Jahren gehören auch die Belgier zu den Geheimfavoriten, hatten aber bisher noch nicht die nötige Durchschlagskraft. Das könnte sich in diesem Jahr ändern. Spielmacher Kevin de Bruyne spielt nun seit Jahren auf internationalem Topniveau und auch der Rest des Kaders kann sich mehr als sehen lassen. Spannend wird vor allem des Duell gegen Gruppengegner England. Auch die zählen mit ihren jungen dynamischen Spielern wie Marcus Rashford zu den Geheimfavoriten. Das Spiel ist richtungsweisend dafür, wie weit es für beide Team gehen könnte und auf jeden Fall eines der Topspiele der Vorrunde.

Ein weiteres Top-Spiel wird direkt am zweiten Tag zwischen Spanien gegen Portugal in der Gruppe B ausgetragen. Auch die Portugiesen sollte man auf dem Zettel haben. Ähnlich wie bei Argentinien und Messi ist Ronaldos großes Ziel nach dem Europameistertitel 2016 auch den Titel des Weltmeisters zu gewinnen. Beiden Mannschaften würde ich aber eine weniger große Chance einräumen. Die Voraussetzungen sind ähnlich: Die Teams sind zu abhängig von ihren Topstars. Sind Messi und Ronaldo nicht gut in Form, wird es nichts.

Zu guter Letzt darf ein Team nicht vergessen werden, das auch 2014 groß auftrumpfte und erst im Viertelfinale an Brasilien scheiterte. Richtig, die Rede ist von den Cafeteros – die Kolumbianer. Gestern erst verabschiedete die ganze Nation das Team rund um James Rodriguez in einem Staatsakt nach Russland und hofft, dass etwas ähnlich großes passieren kann. Das Abschneiden der Kolumbianer ist auch für die Deutschen interessant. Werden beide Gruppenerster könnte es im Viertelfinale zur Top-Begegnung kommen.

Belgien

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Belgiens goldene Generation um Kevin de Bruyne kommt allmählich ins beste Fußballeralter. Vorschusslorbeeren gab es in den letzten Jahren zu Genüge, aber jetzt gilt es den Beweis anzutreten, dass Belgien auf allerhöchstem Niveau bestehen kann.

Welches Team wird Weltmeister 2018?

Die Ausgangsfrage zu beantworten ist auch vor diesem Turnier kein leichtes. Alle versuchen die Deutschen zu jagen, sodass der Erfolg nicht wiederholt werden kann. Meiner Einschätzung nach wird dies auch so kommen. Klar, Deutschland ist eine Turniermannschaft und hat sich schon oft steigern können. Im Vergleich zu 2014 hat sich jedoch viel verändert. Langjährige Leistungs- und Stimmungsträger wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski haben sich verabschiedet und aktuell gibt es keine vergleichbaren Typen. Keine Frage, die Qualität des Kaders ist nicht zu unterschätzen, aber unter der Belastung macht die Mentalität den entscheidenden Faktor aus.

Verbleiben noch Frankreich, Spanien und Brasilien. In punkto Motivation nehmen sich die drei Teams kaum etwas. Der größte Druck liegt wohl auf den Schultern der Brasilianer, womit die Frage entsteht, wie damit umgegangen werden kann. Berücksichtigt man alle Komponenten über das Team, der Mentalität, der Unterstützung des Landes usw. ist es gut möglich, dass Brasilien am Ende die Nase vorn hat und sich den Titel zum sechsten Mal holen kann.

Sich endgültig festzulegen ist aber schwieriger denn je, da die Topstars der Nationen immer enger zusammenrücken. Spannend finde ich vor allem, ob am Ende die Leistung eines gesamten Teams oder eines Individualisten entscheidend sein wird.

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