Die sechs phantastischen Phasen des „nutzlosen“ Bachelor of Arts*

*betrifft natürlich nicht Wirtschaftswissenschafter*innen. Herzlichen Glückwunsch; ihr studiert etwas „Vernünftiges“.

Von Rike Düsterhöft

Der Bachelor of Arts ist ein Abschluss, welcher Studierenden von absolut bemerkenswerten Disziplinen wie Gesellschafts-, Sozial-, Sprach oder Kulturwissenschaften verliehen wird. Ebenso bekannt unter dem Titel „B.A.“ – wiederum eine Abkürzung für so etwas wie „bahnbrechende Auszeichnung“ – ist dieser akademische Grad eine wahre Bereicherung für die Zukunft seiner Studierenden. Komplett zu Unrecht steht der B.A. in Verruf wenig praxis- und berufsorientiert zu sein. Gar als „nutzlos“ wird diese Kür eines jeden Lebenslaufes von manch Unwissenden betitelt. Ein Umdenken jener umnachteten Köpfe der Gesellschaft ist längst überfällig. Solltest auch du eine brillante Zukunft durch den Erwerb eines Bachelor of Arts in Erwägung ziehen (oder bereits eines der B.A.-Fächer studieren), so mache dich auf die sechs phantastischen Phasen gefasst, die du auf deinem Weg zum ultimativen Ziel durchlaufen wirst.

Phantastische Phase 1: Euphorie und Entschlossenheit

Die erste Phase des Bachelor of Arts ist von purem Optimismus und guter Laune gekennzeichnet. Ganz nach dem Motto „Follow your Dreams“ hast du trotz Bedenken deiner Mitmenschen einen Bildungsweg gewählt, welcher nicht zu einer spezifischen Karriere führt. Macht ja nichts! Du bist dir sicher; Wenn man seiner Leidenschaft folgt, wird einem das Geld schon irgendwie in die Taschen fliegen. Voller Zuversicht kaufst du jedes einzelne Werk auf deiner endlos langen Bücherliste, knobelst über wissenschaftlichen Texten und bekommst Gewissensbisse sobald du einer Veranstaltung fern bleibst. Du freust dich mit Gleichgesinnten deine wahren Interessen zu verfolgen und nicht bloß etwas „Normales“ zu studieren. Du gehst deinen total individuellen Weg und bist somit automatisch cooler und mutiger als deine Freund*innen, die in Banken arbeiten oder so etwas wie Informatik studieren. Dein anfängliches „B.A.-High“ kann durch nichts und niemanden getrübt werden.

Noch hat sie gut zu lachen: Ein klassischer Phase 1 Fall

Phantastische Phase 2: Zwischen Zuversicht und Zweifel

Nach nicht allzu langer Zeit fängst du an Stimmen in der Umgebung zu hören, die immer lauter werden. Aufdringliche Freund*innen und Familienmitglieder haben es auf dich und deine potenzielle Zukunft abgesehen. Auf die Frage welches Fach du studierst, folgt sofort das obligatorische; „Ach, auf Lehramt?“ Wenn du mit „Nein“ antwortest folgt eine grausame Phrase, welche dich von nun an auf Schritt und Tritt verfolgen wird: „Was macht man damit später?“.

Du bist ehrlich und sagst, dass du es noch nicht vollständig weißt, dir aber dein Studium bisher sehr gut gefällt – immerhin folgst du ja deiner Leidenschaft! Daraufhin erntest du einige verständnislose Blicke und hochgezogene Augenbrauen.

Phantastische Phase 3: Die Bedrohung wächst

Du erwischt dich dabei auf Berufsplattformen heimlich nach deinem Abschluss zu suchen und verfällst dabei in einen leichten Anflug von Panik. Scheinbar ist deine „bahnbrechende Auszeichnung“ auf Monster, Indeed und Co. noch nicht so populär wie du zunächst gedacht hattest. Du hinterfragst deine anfängliche Euphorie und allgemeinen Lebensansichten. Vielleicht wäre eine Bankausbildung ja doch nicht so schlecht gewesen. Vielleicht sollte man doch lieber den sicheren Weg gehen. Ist es etwa schon zu spät abzubrechen? Dem „Was macht man damit später“-Spruch trittst du nicht mehr so selbstsicher entgegen und der wachsende Kloß in deinem Hals lässt sich kaum noch vor den aufdringlichen Menschen in deiner Umgebung verbergen, die sich mit mütterlicher Fürsorge um deine Zukunft sorgen wollen.

Phantastische Phase 4: Absolute Kapitulation und Reue

Dein absoluter Tiefpunkt ist erreicht. Die vierte Phase des Bachelor of Arts ist geprägt von Verzweiflung und dunklen Gedanken. Du kannst dich kaum aufraffen etwas für die Uni zu machen, denn auf die Frage „Was mache ich hier eigentlich?“ kannst du dir selbst keine Antwort mehr geben. In deinen Albträumen siehst du dich schon vor dem Arbeitsamt stehen. Bei dem Wort „Zukunft“ zuckst du zusammen und deinen aufdringlichen Freund*innen und Familienmitgliedern gehst du lieber bis auf Weiteres aus dem Weg.

Dein „B.A.-Low“ fühlt sich an wie eine Art Identitätskrise, die dich zu zerreißen droht. Mit boshaftem Neid schielst du auf deine perfekten Mitmenschen, die ihren sicheren Arbeitsplatz in Bürogebäuden genießen, in die Jura-Vorlesungen des GW1-Hörsaals stolzieren oder – am weitaus schlimmsten – deinen eigenen Studiengang auf Lehramt studieren.

Beeindruckend: Ehemaligentreff der Bremer B.A.Absolvent*innen in New York City.

Phantastische Phase 5: Augen zu und durch

Die fünfte phantastische Phase beginnt, wenn du endlich verstanden hast, dass es für einen Rückzug einfach zu spät ist. Wie Hannibal auf seinem Elefant vor den Alpen weißt auch du einfach: „Da muss ich jetzt durch“. Deine Arbeitswille steigert sich um geschätzt einhundert Prozent. Du gibst alle Aufgaben pünktlich ab, schreibst alle deine Klausuren mit und sitzt mit gleichgültiger Miene in deinen Seminaren um den CP-Durchschnitt noch etwas in die Höhe zu pushen. Du machst jetzt einfach „irgendwas“ und wartest darauf, dass dir die Welt deine Karriere und finanzielle Sicherheit vor die Füße schmeißt – oder dich einfach komplett verschluckt.

Phantastische Phase 6: Neue Hoffnung und Plan B bis Plan Z

Irgendwann bricht eine Welle voll neuer Hoffnung auf dich ein. Deine wachsende CP Anzahl auf PABO verrät dir, dass deine „bahnbrechende Auszeichnung“ zum Greifen nahe ist. Großartige, schillernde Pläne kommen dir urplötzlich in den Sinn. „Ich werde Social-Media Influencer auf Instagram“, „Ich mache einen vernünftigen Master obendrauf“ oder „Eine Versicherungs-Ausbildung nach dem Studium kann nicht schaden“ sind nur ein paar deiner genialen Ideen die dir tagtäglich im pulsierenden Hirn herumschwirren. Mit neuer Motivation hoffst du einfach auf das Beste und bist dir nicht zu schade einen Plan B bis Plan Z zu erstellen – angefangen von erfolgreicher, unternehmerischer Selbstständigkeit, bis hin zur Option Webcam-Model. Egal was passieren wird; du bist stolz bald deinen B.A. in den Händen zu halten. Diese akademisch hochwertige Auszeichnung war die Achterbahn der Gefühle wirklich absolut wert und hat dir (wenn auch keinen finanziellen) immerhin geistigen Reichtum im Übermaß beschert.

Zum Abschluss muss angemerkt werden, dass nicht alle Anwärter*innen des B.A. diese Phasen durchlaufen. Ein paar Glückliche unter ihnen springen direkt von Phase 1 zu Phase 6 über. An alle Anderen – und insbesondere diejenigen welche in Phase 3 bis 4 stecken –; hier ein paar motivierende Fakten aus einem 2016 erschienen Artikel des Wirtschaftsmagazins „Forbes“. Dieses Magazin untersuchte ob Studiengänge, welche dem Bachelor of Arts ähneln, gute Berufsaussichten haben. Dabei kam das Magazin zu dem Ergebnis, dass weitaus mehr Unternehmen Gesellschafts-, Sozial-, Sprach- oder Kulturwissenschaften wertschätzen, als zuvor angenommen. Die Unternehmen würden vor allem das kritische Denken, die Kreativität und die kommunikativen Fähigkeiten der Studierenden loben. Die Karriere-Optionen für einen B.A.-Abschluss variieren dabei stark. Projektmanagement, Marketing-Koordination, Journalismus oder Personal-Management sind nur einige der zahlreichen Jobmöglichkeiten. Zusammengefasst ist deine „bemerkenswerte Auszeichnung“ eben doch viel praxisnaher als manch jemand behaupten würde.

Titelbild: Florian Fabozzi

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