Wenn das Fundament in Flammen steht

Ken Follett über die Religionskriege im 16. Jahrhundert

Das Fundament der altehrwürdigen Kathedrale von Kingsbridge scheint robust und fest verankert. Doch im Schatten des Kirchturms entbrennt ein feuriger Kampf zwischen den Glaubensbrüdern. In Mitten der kriegerischen Wirren zwischen Protestanten und Katholiken verliebt sich Ned Willard in Margery Fitzgerald. Doch nicht allein der Glaubenskrieg vergönnt den jungen Menschen ihr Glück.

Von Christine Leitner

Margerys ehrgeiziger und machtgieriger Bruder Rolle hat Pläne: Um die Familie endlich wieder in den Adelsstand zu erheben, arrangiert er die Ehe zwischen dem Grafensohn Bart von Shiring und seiner Schwester. In Frankreich hat Sylvie indes mehr Glück. Zusammen mit ihrer Familie unterhält sie einen christlichen Buchladen, der unter der Ladentheke französische Übersetzungen der Bibel an Gläubige verkauft. Als eines Tages der gutaussehende Pierre Aumande vor ihr steht und um ihre Hand anhält, scheint das Glück perfekt. Zeitgleich entflammt auch in Frankreich ein erbitterter Kampf zwischen Protestanten und Katholiken, begleitet von blutigen Massakern und zahlreichen Hinrichtungen. Der Glaubenskrieg spaltet schließlich Europa, als sich die protestantische Queen Elisabeth nach ihrer Thronbesteigung dem katholischen Frankreich und Spanien gegenüber sieht. Reicht ihre Macht, um Protestanten und Katholiken wenigstens in England Gleichberechtigung zu verschaffen und kann sie sich gleichzeitig vor der katholischen Maria Stuart schützen, die es auf den englischen Thron abgesehen hat?

Europapolitik auf 1156 Seiten

Wieder einmal ist Ken Follett ein Meisterwerk gelungen. Ein Meisterwerk, das dieses Mal weit über die Grenzen von Kingsbridge hinausreicht und neben dem Glaubenskrieg auch die Anfänge der Kolonialzeit zum Thema hat. Ein neuer Meilenstein in der Geschichte des historischen Romans. Witzig, charmant, spannend und direkt schreibt Ken Follett die Geschichte Europas des 16. Jahrhunderts auf und beschert den Lesern aufregende Geschichtsstunden. Unvergleichlich ist dabei das unerschöpfliche Wissen des Autors. Die Darstellung der historischen Ereignisse, darunter die Bartholomäusnacht in Frankreich, den Englisch-Spanischen Krieg von 1585-1604 oder der Machtkämpfe zwischen Queen Elisabeth und Maria Stuart sind so detailreich und authentisch beschrieben, als ob Follett selbst dabei gewesen wäre. Während es in den Vorgängerromanen überwiegend um fiktionale Intrigen im beschaulichen Kingsbridge ging, mutet Ken Follett im „Fundament der Ewigkeit“ seinen Lesern die gesamte Europapolitik des Mittelalters zu.

Besser als jeder Geschichtsunterricht

Ein gewagter Sprung, der gut daneben hätte gehen können, doch hier hat sich der Autor ein weiteres Mal als Meister seiner Kunst hervorgetan, indem er Fiktion und Realität mit Bravour und äußerster Raffinesse verknüpft hat. Ein Großes Lob, denn nicht minder komplex wie die historischen Ereignisse sind auch die Handlungsstränge der einzelnen Protagonisten. Die hat Follett – wieder einmal – passend eingeleitet und logisch zusammengeführt. Zur Spannung des Romans trägt so nicht nur der historischen Kontext bei, sondern auch die Entwicklung der Charaktere sowie ihre Machtkämpfe.

Klasse Buch, das sich Fans historischer Romane – und Geschichtslehrer im Übrigen – nicht entgehen lassen sollten. Besser kann man Historie nicht schreiben und garantiert schlägt Ken Follett mit diesem Roman den besten Geschichtsunterricht!

Das Fundament der Ewigkeit, Ken Follett, Historischer Roman, Bastei Lübbe, Köln 2017.

 

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